Qualifikationsrahmen

 

Im Londoner Kommuniqué (Mai 2007) haben die für Hochschulbildung verantwortlichen Ministerinnen und -minister der am Bologna-Prozess beteiligten Länder die Bedeutung von Qualifikationsrahmen als „wichtige Instrumente zur Herstellung von Vergleichbarkeit und Transparenz innerhalb des Europäischen Hochschulraums (EHR) und zur Erleichterung der Mobilität innerhalb und zwischen den Hochschulsystemen“ hervorgehoben. Qualifikationsrahmen sollen ferner „die Hochschulen dabei unterstützen, Module und Studiengänge auf der Grundlage von Lernergebnissen und Leistungspunkten zu entwickeln und die Anerkennung der Abschlüsse sowie aller Formen der Vorbildung zu verbessern“.

 

Ein Qualifikationsrahmen umfasst sämtliche Qualifikationen in einem Bildungssystem. Er beschreibt, was ein Lernender mit einer bestimmten Qualifikation weiß, versteht und in der Lage ist zu tun – die „Lernergebnisse“ – sowie die Art und Weise in der die verschiedenen Qualifikationen im Ausbildungs- oder Hochschulausbildungssystem zueinander stehen.

 

In Europa gibt es drei Ebenen von Qualifikationsrahmen:

1)   Auf europäischer Ebene

2005 haben die für Hochschulbildung verantwortlichen Ministerinnen und -minister der am Bologna-Prozess beteiligten Länder dem „übergreifenden Qualifikationsrahmen im Europäischen Hochschulraum (EHR)“ in Bergen zugestimmt. Dieser behandelt auch Hochschulqualifikationen und ist für alle 46 Mitglieder des Europäischen Hochschulraums (EHR) gültig. Der übergreifende Qualifikationsrahmen enthält die drei Zyklen (einschließlich der Möglichkeit von Zwischenqualifikationen innerhalb nationaler Zusammenhänge), allgemeine Deskriptoren für jeden Zyklus basierend auf Lernergebnissen und Kompetenzen sowie die Spanne von im ersten und zweiten Zyklus vergebenen Kreditpunkten.

 

Verfügbare Dokumente

Overarching framework for qualifications of the European Higher Education Area (nur auf Englisch verfügbar)

 Englisch

 

 

Zusätzlich hat die Europäische Kommission einen Europäischen Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen (EQF) entwickelt, der im April 2008 formell von der Europäischen Union angenommen wurde. Dieser umfasst alle Ausbildungsniveaus und ist gültig für EU-Länder, EU-Beitrittsländer und Länder des Europäischen Wirtschaftsraums. Die Niveaus umfassen alle Qualifikationen, vom Grundniveau (Niveau 1, z.B. Schulabgangszeugnisse) bis hin zu fortgeschrittenen Niveaus (Niveau 8, z.B. Doktorat). Als Instrument zur Förderung des Lebenslangen Lernens umfasst der EQF alle Arten von allgemeiner und beruflicher Bildung und Qualifikationen, von der schulischen über die akademische bis zur beruflichen Bildung. Der Rahmen befasst sich zusätzlich mit Qualifikationen, die in Aus- und Weiterbildung erworben wurden. Die acht Bezugsrahmen sind in Form von Lernergebnissen beschrieben.

 

Verfügbare Dokumente

Europäische Kommission einen Europäischen Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen (EQF)

 Deutsch 

 

Weitere Informationen zu europäischen Qualifikationsrahmen sind auf der offiziellen Webseite des Prozesses der Bologna-Erklärung in der Sektion für Qualifikationsrahmen zu finden.

2)    Auf nationaler Ebene

Alle Länder des Europäischen Hochschulraums haben sich dazu verpflichtet, bis zum Jahre 2010 nationale Qualifikationsrahmen zu entwickeln, die mit dem übergreifenden Rahmen des Europäischen Hochschulraums kompatibel sind. Die allgemeine „Tuning“-Broschüre „Tuning Educational Structures in Europe“ definiert einen nationalen Qualifikationsrahmen als „eine einzelne Beschreibung auf nationaler Ebene oder auf Ebene eines Bildungssystems, die international verstanden wird. Der Rahmen beschreibt alle in dem jeweiligen System vergebenen Qualifikationen und setzt sie auf kohärente Weise miteinander in Verbindung. Ein sehr deutliches Beispiel ist das der Republik Irland  http://www.nqai.ie/en/.”

 

Weitere Informationen zu nationalen Qualifikationsrahmen sind auf der offiziellen Webseite des Prozesses der Bologna-Erklärung in der Sektion für nationale Rahmen zu finden.

3)   Auf sektoraler Ebene

Ein „sektoraler Qualifikationsrahmen“ wird als ein durch einen Sektor aufgestellter Rahmen definiert (z.B. ein akademisches Fach oder ein Beruf). Er zeigt, was ein Lernender hinsichtlich zu erwartender Lernergebnisse auf der Grundlage einer gegebenen Qualifikation in einem bestimmten Sektor weiß, versteht und in der Lage ist zu tun.

 

Die „Polifonia”-Tuning-Arbeitsgruppe hat einen sektoralen Qualifikationsrahmen für die Hochschulmusikausbildung mit einem Satz fachspezifischer Lernergebnisse für den ersten, zweiten und dritten Studienzyklus in Musik entwickelt.
 
Weitere Informationen zu diesem sektoralen Qualifikationsrahmen sind hier zu finden.